Wenn Nettsein zur Karrierebremse wird: Cornelia Schlögl schreibt über Führung ohne Selbstverrat

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Female Leadership wird oft über Quoten, Karrierestufen und Frauenanteile diskutiert. Das ist notwendig, greift aber zu kurz. Denn zwischen guter Qualifikation und echter Führungswirkung liegt ein Bereich, über den seltener gesprochen wird: Wie viel Energie verlieren Frauen im Berufsalltag, weil sie gefallen, vermitteln, abfedern und bloß nicht „zu schwierig“ wirken wollen?

Genau dort setzt Cornelia Schlögl – Führungs- und HR-Experin mit über 30 Jahren Praxiserfahrung – mit ihrem Buch Schluss mit nett – Führung braucht Eierstöcke!* an. Der Titel ist laut, die Botschaft dahinter aber erstaunlich präzise: Führung beginnt nicht erst mit einer Position im Organigramm. Sie beginnt dort, wo Frauen aufhören, ihre Wirkung zu entschärfen, bevor sie überhaupt sichtbar wird.

Schlögls Buch ergänzt diese Debatte um eine praktische Perspektive: Was passiert im Alltag, lange bevor eine Frau für eine Geschäftsführungsposition vorgeschlagen wird?

Die stille Bremse im Berufsalltag

Viele Frauen kennen diese Situationen: Eine Idee wird eingebracht, aber erst ernst genommen, wenn sie ein Kollege wiederholt. Ein Einwand wird höflich formuliert, aber übergangen. Eine klare Ansage wird als „streng“ oder „emotional“ gelesen, während dieselbe Direktheit bei Männern als Führungsstärke gilt.

Schlögl beschreibt dieses Muster nicht als individuelles Versagen, sondern als erlernte Anpassungsstrategie. Auf der Buchseite des Mentoren-Verlags wird der Kern klar benannt: Das Buch richtet sich an Frauen, die kompetent, vorbereitet und zuverlässig sind, aber trotzdem überhört, unterbrochen oder unterschätzt werden. Es geht um Sichtbarkeit, Grenzen, Gesprächsführung, Entscheidungen, Delegation und Energie-Management.

Damit verschiebt sich der Fokus. Nicht die einzelne Frau ist „zu wenig selbstbewusst“. Vielmehr haben viele Frauen gelernt, ihre Kompetenz so zu verpacken, dass sie möglichst wenig Widerstand auslöst. Das funktioniert eine Zeit lang. Es macht verträglich, beliebt und zuverlässig, aber es kostet Einfluss.

Warum „nett“ nicht harmlos ist

Nettsein klingt zunächst positiv. Im beruflichen Kontext kann es jedoch zur Falle werden, wenn daraus ein permanentes Zurücknehmen entsteht. Wer immer vermittelt, wird irgendwann als selbstverständlich wahrgenommen. Wer jede Entscheidung absichert, wirkt weniger entschlossen. Wer Konflikte vermeidet, überlässt anderen die Deutungshoheit.

Schlögls Gegenentwurf lautet nicht: härter werden, lauter werden, männliche Machtmuster kopieren. Auf ihrer eigenen Buchseite formuliert sie den Gedanken anders: Frauen sollen präsent sein, ohne kalt zu werden, wirksam führen, ohne zur Kopie männlicher Spielregeln zu werden, und Grenzen setzen, ohne sich zu verbiegen.

Das ist der eigentliche Reiz des Buches. Es verkauft keine neue Rolle, sondern arbeitet an der Frage, warum viele Frauen ihre Führungswirkung ausgerechnet dort verlieren, wo sie zu sehr bemüht sind, professionell, angenehm und kontrolliert zu erscheinen.

Ein Führungsbuch über Energie, nicht nur über Karriere

Cornelia Schlögl

Der Mentoren-Verlag beschreibt das Buch als praxisnahes Führungs-Upgrade mit Tools, Gesprächsstrukturen und Systemen, die Stress senken und Wirkung erhöhen sollen. Zu den angekündigten Themen zählen unter anderem Selbstführung, Grenzen, Delegation, schwierige Gespräche und Zeit- beziehungsweise Energie-Management.

Das unterscheidet „Schluss mit nett“ von vielen klassischen Karrierebüchern. Es geht nicht nur darum, die nächste Stufe zu erreichen. Es geht darum, Führungsverantwortung so auszufüllen, dass sie nicht dauerhaft auf Kosten der eigenen Kraft geht.

Für Frauen in anspruchsvollen Rollen ist dieser Punkt zentral. Wer ständig sichtbar sein soll, aber zugleich bloß nicht anecken darf, gerät in eine doppelte Belastung. Schlögls Ansatz macht deutlich: Wirksame Führung braucht nicht mehr Selbstoptimierung, sondern bessere Selbstführung.

Warum Unternehmen dieses Buch ernst nehmen sollten

Female Leadership wird in Unternehmen häufig über Programme, Netzwerke und Zielwerte adressiert. Diese Instrumente sind wichtig, reichen aber nicht aus. Denn Kultur zeigt sich nicht in Leitbildern, sondern in Alltagssituationen: Wer wird im Meeting unterbrochen? Wer bekommt Rückendeckung? Wer darf klare Grenzen ziehen? Wer wird für Führungsanspruch gefördert und wer dafür skeptisch beobachtet?

Die aktuellen österreichischen Zahlen zeigen, dass strukturelle Veränderung weiterhin nötig ist. Laut Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung waren 2026 in den 200 umsatzstärksten Unternehmen Österreichs 14,5 Prozent der Geschäftsführungspositionen und 28,6 Prozent der Aufsichtsratsmandate mit Frauen besetzt. Bei jenen börsennotierten Unternehmen, die von der gesetzlichen Quote betroffen sind, lag der Frauenanteil in Aufsichtsräten 2026 bei 35,5 Prozent.

Diese Daten zeigen zweierlei: Verbindliche Rahmenbedingungen können Wirkung entfalten. Gleichzeitig bleibt der operative Machtkern vieler Unternehmen deutlich männlich geprägt. Ein Buch wie „Schluss mit nett“ ersetzt keine Strukturreformen. Es kann aber dort ansetzen, wo Strukturen auf Verhalten treffen: bei Kommunikation, Präsenz, Grenzen und Führungsverständnis.

Worum es im Buch geht

Bereich Schwerpunkt
Titel Schluss mit nett – Führung braucht Eierstöcke!
Autorin Cornelia Schlögl
Verlag Mentoren-Media-Verlag
Umfang 260 Seiten
Erscheinungstermin 18. Mai 2026
ISBN 978-3986413019
Kernidee Mehr Klarheit, Sichtbarkeit und Selbstführung statt permanenter Anpassung
Zielgruppe Frauen in Führung, angehende Führungskräfte, Unternehmerinnen, HR- und People-&-Culture-Verantwortliche

Für wen „Schluss mit nett“ besonders geeignet ist

Dieses Buch richtet sich nicht nur an Frauen, die bereits ganz oben angekommen sind. Gerade für Frauen auf dem Weg in Führungsverantwortung kann es interessant sein: Projektleiterinnen, Teamleiterinnen, Selbständige, Unternehmerinnen, Frauen in Fachkarrieren, HR-Verantwortliche und jene, die merken, dass ihre Leistung zwar gebraucht, aber nicht ausreichend gesehen wird.

Der stärkste Nutzen liegt vermutlich dort, wo Frauen bereits Verantwortung übernehmen, aber im eigenen Auftreten zu viel Energie verlieren: durch Rechtfertigung, übermäßige Rücksicht, Konfliktvermeidung oder den Versuch, gleichzeitig kompetent, sympathisch, belastbar und möglichst unangreifbar zu wirken.

Schlögl stellt dem eine andere Haltung gegenüber: Führung darf klar sein. Grenzen dürfen ausgesprochen werden. Sichtbarkeit ist kein Ego-Problem. Und wer Verantwortung trägt, muss nicht jede Erwartung erfüllen, um legitim zu führen.

Warum die Provokation sinnvoll ist

Der Untertitel „Führung braucht Eierstöcke“ ist bewusst zugespitzt. Er polarisiert, aber er erfüllt eine Funktion: Er bricht mit der braven Sprache, in der Female Leadership oft verhandelt wird. Zu häufig klingt die Debatte, als müssten Frauen nur besser gefördert, besser vorbereitet oder besser motiviert werden. Schlögl dreht die Perspektive: Viele Frauen sind längst kompetent. Was ihnen fehlt, ist nicht noch ein Zertifikat, sondern Raum, Selbstverständnis und eine Sprache für ihren eigenen Führungsstil.

Fazit: Ein Buch gegen das leise Kleinmachen

Schluss mit nett – Führung braucht Eierstöcke!* ist kein Buch gegen Freundlichkeit. Es ist ein Buch gegen Selbstverkleinerung. Genau darin liegt sein Wert für die aktuelle Leadership-Debatte.

Denn weibliche Führung wird nicht nur dadurch gestärkt, dass mehr Frauen auf Listen, Podien und in Aufsichtsräten auftauchen. Sie wird auch dadurch gestärkt, dass Frauen im Alltag anders auftreten dürfen: klarer, sichtbarer, weniger angepasst, weniger erschöpft vom Versuch, gleichzeitig alles richtig und niemandem zu viel zu sein.

Cornelia Schlögl liefert dafür einen zugänglichen, direkten und praxisnahen Impuls. Für Frauen, die führen wollen, ohne sich zu verbiegen. Und für Unternehmen, die verstanden haben, dass moderne Führung nicht an der Oberfläche beginnt, sondern dort, wo Menschen sich trauen, wirksam zu werden.

Mehr Informationen zum Buch gibt es auf der offiziellen Buchseite von Cornelia Schlögl sowie beim Mentoren-Media-Verlag.

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